Schon wieder ist jemand aufgeflogen …

… der bzw. die sich mit erlogenen Geschichten profilieren wollte.
Ich verstehe das nicht: denken die wirklich, dass das nicht rauskommt?

Hierum geht es: die Bloggerin Marie Sophie Hingst ist relativ bekannt geworden und hat auch einige Preise erhalten mit Ihrem Blog (der übrigens jetzt nicht mehr erreichbar ist). In diesem Blog erzählt sie von ihrer jüdischen Familie, von ihren Großeltern, die als Juden die Verfolgung in der Nazizeit nicht überlebt hätten. Sie hat sogar bei der Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem Anträge eingereicht, dass diese Menschen dort in die Liste der Holocaust-Opfer aufgenommen werden.

Nun stellt sich heraus: alles erlogen! Die angegebenen Verwandten hat es nie gegeben, Frau Hingst entstammt einer seit vielen Generationen evangelischen Familie.

Auch bei den Angaben zu ihrer eigenen Lebensgeschichte hat Marie Sophie Hingst sehr viel Gebrauch von ihrer „künstlerischen Freiheit“ gemacht. Weder hat sie in Indien ein Krankenhaus gegründet, noch hat sie in Deutschland Flüchtlinge unterrichtet.

Zurzeit lebt sie in Dublin und scheint von der Aufdeckung ihrer Lügen völlig überrascht worden zu sein. Sie hat ihren Blog vom Netz genommen und äußert sich öffentlich nicht mehr zu den Vorwürfen.

Ich bin ja sehr für Storytelling, also für das Erzählen von Geschichten aus dem eigenen Leben, aber auch aus dem Leben anderer Menschen, z.B. Familienmitglieder. Aber dabei ist ganz wichtig: diese Geschichten MÜSSEN wahr sein! Okay, in kleinen Details kann man vielleicht mal was ausschmücken, aber die Grundgeschichte sollte unbedingt stimmen.

Natürlich kann man auch erfundene Geschichten erzählen, als Beispiel, als Parabel, zum besseren Verständnis einer Aussage  – aber dann sollte man das klar kommunizieren.

Wie ich auch schon in meinem letzten Blogartikel (hier) geschrieben habe: ich kann nicht nachvollziehen, wie diese Leute denken können, dass das nicht auffliegt. Spätestens wenn man eine gewisse Bekanntheit erlangt und Preise gewinnt muss man doch damit rechnen, dass das mal einer nachprüft.

Ich hätte ja schlaflose Nächte, wenn ich auf solche falschen Geschichten mein ganzes Business aufgebaut hätte. Die Aufdeckung bedeutet dann den Zusammenbruch des aus Lügen konstruierten Kartenhauses, den Verlust  der ganzen Existenzgrundlage, der Ruf ist auf ewig ruiniert. Warum gehen diese Leute so ein Risiko ein?

Das werde ich wohl nie verstehen.

Gruß
Johanna Madrasch

PS.: Wenn Sie mehr über den „Fall“ der Hochstaplerin Marie Sophie Hingst erfahren möchten, dann lesen Sie diesen Tagesspiegel-Artikel:
https://www.tagesspiegel.de/kultur/hochstaplerin-marie-sophie-hingst-bloggerin-soll-holocaust-opfer-erfunden-haben/24410552.html

 

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